Und das soll es gewesen sein? oder: Eine Tüte Motivation für alle, bitte!

gute Vorsätze

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Ex und hopp – so in etwa geht das mit den guten Vorsätzen fürs neue Jahr. Diejenigen, die überhaupt noch den Mumm haben, sich etwas vorzunehmen, werden spätestens Ende Dezember geschäftig. Wie viele Vorsätze sollen es denn sein? Wenn man sich vornimmt, mehr Sport zu machen, muss man auch gesünder essen, oder? Wenn man mit dem Rauchen aufhören will, muss man mehr Sport machen, sonst schlägt‘s auf die Figur. Mehr lesen wäre aber auch schön und weniger Smartphone. Oder doch lieber eine Sprache lernen? Wie viele Vorsätze passen denn so auf eine Gute-Vorsatz-Liste, damit man sie noch einhalten kann? Und wie zum Teufel setzt man die Prioritäten? Ein humorvoller Blick auf das Phänomen rund um das neue Jahr.

Die Sache mit den guten Vorsätzen: Immer der falsche Zeitpunkt?

Es war einmal das „Es“ (Machen wir es zum Neutrum, damit ihr euch auch alle wiedererkennen könnt… 😉 )  Es war groß, schlank, gut gebaut, mit einem Sixpack aus Stahl und einem Bizeps, der den Rest der Welt erblassen ließ. Es konnte 10km in einer Geschwindigkeit laufen, die selbst Speedy Gonzales die Schamröte ins Gesicht getrieben hätte, und auf der Speisekarte standen selbstverständlich nur hochwertige Bioprodukte und viel Obst und Gemüse. Naja. Okay. Fast. Aber man darf ja Träume haben, oder? Es WOLLTE gerne groß, schlank, gut gebaut mit einem Sixpack aus Stahl und einen Bizeps, der den Rest der Welt erblassen lassen würde, ausgestattet sein. Es WOLLTE 10km in einer Geschwindigkeit über der von Speedy Gonzales laufen, sich gesund und von Bio-Produkten, viel Obst und Gemüse und überhaupt ernähren. Aber irgendwie war das Ganze nicht so einfach. Es fing ja schon damit an, dass sämtliche halbherzige Versuche das Jahr hinüber immer daran scheiterten, dass irgendwas dazwischen kam.

Januar: „Sch…, ist das kalt draußen! Da jagt man ja keinen Hund vor die Tür!“

Februar: „Yeaahh, Fasnacht! Aber mit einem Kater kann ich unmöglich trainieren!“

März: „Verdammt, bin ich müde. Frühjahrsmüdigkeit hat voll eingeschlagen. Ich will wieder ins Bett…“

April: „Oh mann, die ersten Sonnenstrahlen. Wenn ich jetzt anfange, schaff ich es noch im Sommer zum Beach-Body.“

Mai: „Also, irgendwie hab ich zu viele Schoko-Osterhasen gegessen. Macht nichts. Noch zwei Monate Zeit bis zum Urlaub.“

Juni: „Noch einen Monat! Jetzt aber Vollgas! Dann krieg ichs noch hin! Moment… ein Eis wäre jetzt aber auch nicht schlecht.“

Juli: „Zu spät. Ach menno. Jetzt ist es auch schon egal. Sowieso All-inclusive. Wäre ja schön blöd, wenn ich jetzt nur Gemüse essen würde, oder? Hab ich ja schließlich alles bezahlt.“

August: „Zu heiß! Ich fang im Herbst an.“

September. Sonnentage: „Oh, das könnte der letzte richtig warme Tag dieses Jahr sein. Lieber noch mal die Sonne genießen!“ Alle anderen Tage: „Ganz schön regnerisch/windig/herbstlich/grau draußen. Aber drinnen trainieren ist ja auch blöd.“

Oktober: „Ich glaub, ich verfall in einen Winterschlaf…“

November: „Zu dunkel. Zu kalt. Zu nass. Zu müde. Und außerdem trag ich ja jetzt eh dicke Pullis.“

Dezember: „Weihnachten!! Kekse! Lebkuchen! Christstollen! Familienessen!“

Aber im nächsten Jahr, da sollte alles besser werden. Und welches Datum bot sich nicht besser an als der 1. Januar zum Start? Also landeten auf der Vorsatz-Liste die klassischen Top 3: 1. Mehr Sport machen. 2. Gesünder essen. 3. Endlich hin zur Traumfigur.

gute Vorsätze Torte

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Torschluss-Panik: Darauf schnell noch ein Stück Torte!

Und dann nahm das Unglück seinen Lauf… Denn: Sobald die Vorsatz-Liste stand und damit schwarz auf weiß festgesetzt war, dass all die faulen Abende auf dem Sofa und die Völlerei ein Ende haben sollte, wurde „Es“ mit jedem Tag des Näherrückens an Tag X bewusst, welch ein Verzicht auf es wartete. Die Uhr tickte unaufhaltsam. Je näher Silvester rückte, desto größer wurde zwar der Aktionismus und dieses hibbelige „Bald geht es los!“ im Kopf – aber gleichzeitig wuchs auch diese gefühlte Bedrohung, der Paukenschlag zum Ende des bequemen Lebens. „Bald darf ich nicht mehr den Kuchen am Wochenende…“, schoss ihm durch den Kopf, wenn Es beim Familiennachmittag seiner Eltern genüsslich ein Stück Torte seiner Mutter in den Mund schieben wollte. Und schnell nahm Es noch ein zweites. Man weiß ja nie, ob es schon das letzte war, vor Silvester. „Im neuen Jahr gibt’s keine Chips mehr vorm TV“, fiel ihm beim Fernsehgucken auf. Aber weil der Schrank noch voll war, wohin bloß mit dem Zeug? Besser aufessen, entschied Es. War ja das letzte Mal für lange Zeit. Und so ging es mit allem: Bratensoße? Gerne mehr, denn ab Januar ist Schluss damit. Schokolade? Muss man nochmal mit allen Sinnen genießen. Noch ein Nachschlag? Ja, jetzt geht es ja noch, also her damit. Januar ist das Fallbeil zum gesünderen Leben, also was soll das Kasteien ein paar Tage davor?

Und so kam Weihnachten. Und dann Silvester. Und nochmal ein paar Kilo plus auf der Waage. „An Weihnachten ist das okay. Ist ja nur einmal im Jahr“, tröstete Es sich, als es den Gürtel nochmal zwei Löcher breiter schloss und zu verdrängen versuchte, dass die Waage soeben einen neuen Höchststand vermeldet hatte. Und als dann der Tag der Tage gekommen war, der 1. Januar, hieß es fröhlich: Lasst die Spiele beginnen!

Tag 1 lief gut. Müsli zum Frühstück, Salat zum Mittagessen, gedünstetes Gemüse und ein wenig Protein zum Tagesabschluss und als Snack nur Obst und Mandeln. Eine halbe Stunde Workout war auch noch drin. „Geht doch, weiter so!“, lobte Es sich zufrieden und voller Stolz und startete enthusiastisch in Tag 2. Der lief auch gut. Wobei so ein Stückchen Schokolade zum Nachtisch schon gut gewesen wäre. Nur eines. Tag 3 gab’s dann das Stückchen Schokolade. Die restliche Tafel hielt brav wieder Einzug in das oberste Küchenregal.

Und dann kommt es dicke. Darf’s ein Stückchen mehr sein?

Aber dann kam Tag Y – der strengste Gegner von Tag X. Tag Y, das ist einer der Sorte „Frust“. Einer, an dem morgens die Kaffeemaschine streikt, man eine gefühlte halbe Stunde das Auto freikratzen muss, zu spät zur Arbeit kommt, dafür vom Chef angepflaumt wird und der Rest des Tages gelaufen ist. Einer der Tage, an dem man abends nur noch aufs Sofa plumpsen und alles schnellstmöglich vergessen will. Einer der Tage, an dem man nachts vom Essen träumt, tags vom Essen träumt und alles, was man sieht, Essen ist. Da zieht einem der Duft von süßen Teilchen in die Nase, wenn man am Bäcker vorbeiläuft. Bratengeruch zur Mittagspause. Die Kollegin bringt selbstgebackenen Kuchen mit, weil sie ein neues Rezept ausprobiert hat. Der andere Kollege beißt in einen saftigen Burger. Und das einzige, was man zu vermeldet hat, ist: Der Magen knurrt. Nicht unbedingt, weil er Hunger hat. Sondern, weil er Appetit auf das alles hat, was er gerade nicht darf!

Als an diesem Abend das Stückchen Schokolade gelutscht ist und der Rest Einzug ins Küchenregal hält, friert der Körper plötzlich mitten in der Bewegung ein. Heut war ein mieser Tag. Die restlichen Tage hat Es sich so brav an seine Diät gehalten. Ausnahmsweise ein zweites Stückchen… nur heute! Und dann die Schokolade wieder wegpacken. Eine halbe Stunde später ertappt Es sich, wie es unruhig wie ein eingesperrter Tiger im Wohnzimmer von einer Ecke zur anderen läuft und versucht, sich selbst zu beschäftigen. Irgendwann in der Küche landet. Vor der Schokolade. Ach komm, noch ein Stückchen. Und noch eins. Und plötzlich – ist die Tafel weg. Huch, wie konnte das passieren? Es hat doch nicht etwa…?

Mit dem Durchsickern der Gewissheit, dass Es soeben eine ganze Tafel Schokolade verdrückt hat, brechen alle Dämme. „Jetzt ist es eh schon egal!“, hört Es sich aufheulen, während es wie ein ausgehungerter Wolf nun alle Küchenschränke durchkämmt auf der Suche nach Essbarem. In Sekundenbruchteilen hat Es sich zu einer Lebensmittel-Vernichtungsmaschine gewandelt, die wahllos alles in sich hineinstopft, was es so in die Finger bekommt. „Morgen mach ich wieder Diät!“, nimmt es sich felsenfest vor: „Das war nur ein Ausrutscher!“. Aber das schlechte Gewissen drückt Es noch weiter in die Sofakissen als der vollgefressene Bauch…

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Gute Vorsätze haben eine kurze Halbwertszeit

Na? Habt ihr euch an irgendeinem Punkt mit Es identifizieren können oder gehört ihr zu den wenigen, die ihre einmal gefassten Vorsätze tatsächlich bis zum bitteren Ende durchziehen? Dann herzlichen Glückwunsch. Denn Fakt ist: Gute Vorsätze haben eine kurze Halbwertszeit. Laut einer Umfrage der Krankenkasse DAK scheiterten nahezu 50 Prozent spätestens nach wenigen Monaten, viele sogar schon nach ein oder zwei Wochen. Ob die anderen 50 Prozent tatsächlich durchhielten, steht aber auf einem anderen Blatt Papier. Denn wer will schon bei einer Umfrage einer Krankenkasse zugeben, dass man eben die Diät wieder nicht durchgezogen hat und auch in 2017 auf seinen Extrapfunden sitzen bleiben wird? Die „Dunkelziffer“ an gescheiterten Neuanfängen liegt also vermutlich ein wenig höher. Die Frankfurter Allgemeine zitierte im Jahr 2015 beispielsweise eine Studie, bei der in der Langzeitbetrachtung von jeweils 300 befragten Personen nur 10 Prozent ihre guten Vorsätze in die Tat umsetzen konnten.

Doch bevor ihr jetzt von schlechtem Gewissen geplagt meint, eure guten Vorsätze seien eh schon tot: Stopp! Der 1. Januar als Stichtag mag zwar ein gutes, da einprägsames Datum sein, aber selbst wenn ihr vielleicht schon gescheitert seid oder euch fühlt, als stünde das Scheitern kurz bevor, heißt das nicht, dass ihr die guten Vorsätze bis zum nächsten 1. Januar aufschieben müsst, um neu durchzustarten. Psychologisch gesehen hilft ein einprägsames Datum zwar beim Neuanfang, aber genauso gut kann das der nächste Montag oder der nächste Monat sein.

Gute Tipps bringen nur etwas, wenn das Herz will

Die guten Tipps, die euch von allen Seiten zu Silvester hinterhergeworfen werden, will ich euch hier nicht vorenthalten. Sie lauten:

  1. Setzt euch klar definierte Ziele. Statt „Ich will abnehmen“, heißt das: „Ich will 5kg abnehmen.“
  2. Formuliert eure Ziele in Wenn-Dann-Sätzen: „Wenn ich Zähneputze, dann mache ich dabei 50 Squats.“
  3. Nehmt eure Pläne ernst und tragt das Training beispielsweise als festen Termin im Kalender ein. Legt eure Sportklamotten so zurecht, dass ihr quasi drüber stolpert, geht nicht hungrig einkaufen und erinnert euch mit Post-its an eure Vorhaben.
  4. Verknüpft das Training mit einem positiven Erlebnis – zum Beispiel hört ihr euer liebstes Hörbuch nur dann, wenn ihr auf dem Hometrainer rumspringt oder schaut eure Lieblingsserie nur dann weiter, wenn ihr eine halbe Stunde joggen wart.
  5. Erzählt anderen von euren Plänen. So habt ihr auch mehr Motivation von außen, wirklich dranzubleiben.

Diese 5 Punkte sind nur ein kurzer Anriss von gutgemeinten Tipps. Mein wichtigster Rat aber ist der: Es muss im Kopf „klick“ machen, sonst bringen die schönsten Vorsätze nichts. Hat es also nicht geklappt mit der Umsetzung, horcht mal lieber in euch rein, ob das, was ihr euch da vorgenommen habt, WIRKLICH euer Ziel war oder doch nur ein halbherziges, weil es an Silvester eben dazugehört. War es letzteres, brauchen wir gar nicht darüber zu reden. War es ersteres, dann vergesst den ersten, gescheiterten Versuch und probiert es gleich nochmal! Guckt, wo der Fehler lag und prüft, ob sich an der Umsetzung noch feilen lässt. Und legt neu los. Die meisten Menschen brauchen drei, vier, fünf Anläufe, um mit dem Rauchen aufzuhören – warum sollte es anders sein, wenn man seine Ernährung umstellen oder mehr Sport in sein Leben integrieren möchte? Eine festgefahrene Gewohnheit zu ändern, ist ein hartes Stück Arbeit und benötigt eben manchmal mehrere Anläufe. Aber lieber fünfmal scheitern und irgendwann einen Erfolg feiern als beim ersten Mal gefrustet aufgeben und nach einem Jahr noch immer unglücklich seinen Vorsätzen hinterhertrauern, oder? Denkt immer dran: Glück kann man nirgendwo kaufen, Glück ist selbstgemacht. Macht euch also glücklich, worauf wartet ihr noch! 😉

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Motivation gefällig? Zusammen geht es leichter!

Und noch ein Tipp: Mit Motivation von außen geht alles besser. Wenn es euch aber nicht reicht, nur euren Freunden von euren Zielen zu erzählen, um ein wenig kontrolliert zu werden, dann holt euch doch die Motivation von Mitstreitern! Verbindet euch mit Gleichgesinnten, und wenn es nur virtuell ist. Erzählt dort von euren Vorhaben, lasst euch pushen, holt euch Anregungen, Lust und Laune. Und damit sich dieser Tipp leichter umsetzen lässt, hab ich ein Angebot für euch:

Auf der Facebook-Seite von Wortwolkeblog wird’s ab sofort immer mal wieder Veranstaltungen zum Mitmachen geben, für euch alle! Eine kleine Trainingscommunity, die ein bisschen Abwechslung in euren Trainingsalltag bringt, bei der ihr neue Leute kennenlernen könnt und wo der Spaß im Vordergrund steht! Egal, ob es dabei um ein kleines Workout zum Wochenende geht oder eine Lauf-Challenge. Schaut demnächst einfach mal rein!

Und jetzt seid ihr dran: Welche Vorhaben setzt ihr gerade in die Tat um? Wie läuft es? Was sind eure ultimativen Tipps zum Durchhalten von guten Vorsätzen? Ich freu mich über eure Kommentare.

Denise Bernard

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