„Wetten, dass… ich das durchziehe?“ Wie eine Fitness-App Sportmuffel auf Trab bringen will

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Fit werden dank App auf dem Smartphone: Inzwischen gibt es kaum jemanden, der nicht mindestens eine davon auf seinem Mobilgerät installiert hat. Dem Statistikportal Statista zufolge nutzt mittlerweile etwa jeder Dritte eine App aus dem Gesundheitsbereich, um sich fit zu halten. Auch wenn Lauf- und Kalorienzählerapps dabei auf den vorderen Plätzen sind, tummeln sich zunehmend Angebote rund um HIT und Bodyweight auf dem Markt. Rund 40 Prozent der Befragten nutzen ihre Fitness-App dabei angeblich mehrmals pro Woche. Doch was ist mit denen, die ihre Apps zwar installiert und fleißig einige Tage genutzt haben, dann aber aus Bequemlichkeit in alte Muster zurückfallen und allerhöchstens als Karteileichen im System bleiben?

Fit wird man nicht durch ein zusätzliches Symbol auf dem Smartphone-Bildschirm, sondern erst, wenn man das Programm eisern durchzieht. Das dachten sich auch zwei junge Männer, die es anders machen wollten. Wenn schon die intrinsische Motivation nicht ausreicht, um am Ball zu bleiben, dann muss es eben extrinsische sein, beschlossen sie. Und setzen nun da an, wo es den Leuten am meisten zwickt: dem Geld. Was die neue App „Toplife.Zone“ kann und ob sie das richtige für euch ist, erfahrt ihr hier.

Wenn Gruppendynamik zum Training nicht reicht

Am Anfang stand ein Motivationsproblem. Stressig sei es damals gewesen, erinnert sich Kevin Seebacher zurück – so stressig, dass der Sport oft auf der Strecke blieb. Um den Druck zu erhöhen, riefen er und sein Freund Luka Iljadica, zweiter Gründer des Startup-Unternehmens Toplife.Zone, eine Facebook-Seite mit Challenges ins Leben. 30 Tage Situps beispielsweise, mit dem Ziel, die Wiederholungszahlen zu steigern. Oder Challenges, die sich aufs Laufen oder den ganzen Körper fokussierten. Bis zu 140000 Teilnehmer pro Challenge konnten sie damit begeistern.

Fitnessapps Toplife.Zone

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Luka Iljadica (links), Kevin Seebacher

Motivation durch Social Media und Gruppendynamik? Was bei Kevin und Luka funktionierte, reichte vielen nicht. Kevin Seebacher: „Wir haben bemerkt, dass die Leute zwar teilnehmen, allerdings nach wenigen Tagen aufgeben. So kam die Idee, das Training an einen Disziplinwetteinsatz zu koppeln. Und der Test zeigte großen Erfolg.“

Die Idee dahinter ist Folgende: Die Fitness-App an sich ist kostenlos – aber eben nur, wenn man sein Trainingsprogramm auch durchzieht. Zu Beginn der Challenge zahlt ein Teilnehmer eine Art Wetteinsatz in Höhe von 30 Euro und bekommt dafür über 30 Tage lang ein Fitnessprogramm gestellt. 19 Tage Training, 11 Tage Ruhepause sind dabei vorgesehen. Jeder Trainingstag muss eingeloggt und bestätigt werden. Wer einen Tag verpasst, hat einmalig während der Challenge die Chance, einen „Joker“ zu nutzen. Verpasst man einen zweiten Tag, verliert man seinen Wetteinsatz. Wer jedoch dranbleibt und alle Tage absolviert, darf sich am Schluss freuen: Die 30 Euro bekommt er zurück. Bei Krankheit oder anderen Hinderungsgründen kann man sich mit dem Support in Verbindung setzen und darf einmalig einen Neubeginn wagen.

Und das funktioniert? Kevin Seebacher: „Wir sind seit Ende Dezember auf dem Markt. Die Erfolgsquote ist sehr hoch, die meisten, die erfolgreich absolvieren, starten eine Folgechallenge. Es geht uns nicht darum, dass Leute so schnell wie möglich ihr Geld verlieren, sondern so lang wie möglich motiviert bleiben und das Produkt cool finden. Unsere Zielgruppe sind Leute, die schwer Motivation zum Training finden und sozusagen Hilfe brauchen, den inneren Schweinehund zu besiegen. Und das funktioniert.“

Fitnessneuling oder Halbprofi? 5 Level sollen es regeln

Das Gründerteam besteht aus zwei Leuten, Kevin Seebacher und Luka Iljadica. Kevin Seebacher hatte zuvor bereits 2 Jahre beim Sportstartup Eversports mitgearbeitet, Luka Iljadica als „einer der besten Android-App-Entwickler Österreichs“ (O-Ton Kevin Seebacher) bereits eine andere Fitnessapp gelauncht.  Die Fitnesspläne stammen allerdings trotzdem nicht von ihnen, sondern von Sportwissenschaftlern. „Wir arbeiten mit vielen Freelancern bzw. Freiwilligen zusammen. Sport- und Ernährungswissenschaftlern, Backendentwicklern, iOS-Entwickler und Designer, Fotografen und Models“, so Seebacher. Bislang ist die App nur für Android-Geräte verfügbar, doch iOS ist bereits in Planung. Bis zum Sommer soll es auch hier soweit sein.

Für wen macht denn die App nun Sinn? Für den absoluten Fitnessneuling, der endlich mal die Sportschuhe schnüren will oder auch für recht gut trainierte Sportler, die gerade nur den Wiedereinstieg finden wollen? Kevin Seebacher: „Derzeit gibt es in der App 5 Schwierigkeitsstufen. Wir wollen das aber weiter ausbauen. Stufe 5 würde ich schon als sehr fordernd einstufen. Bis jetzt gab es erst wenige Personen, die diese Challenge ohne herunterzustufen absolviert haben. Aber Zielgruppe sind eher Leute, die nach Fitnessmotivation suchen und nicht so fit sind. Welche, die einen Tritt brauchen.“

So müssen Einsteiger beispielsweise noch keine Liegestützen und Co. können. Wer in den FAQs nachliest, erfährt schnell, dass in den ersten Levels fortgeschrittene Übungen wie Liegestütze und Burpees nicht vorkommen. Level 1 richtet sich demnach an Personen, die schon lange keinen Sport mehr gemacht haben. Der Fitnessplan soll einen leichten Einstieg ins Training ermöglichen und baut auf Einheiten von 5 bis 25 Minuten, je nach gewähltem Schwierigkeitsgrad und Fitnesslevel. Alle Übungen werden außerdem in Video-Tutorials vorgestellt.

Fitness-App Toplife.Zone

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Keine Chance den Schummlern

Wer denkt, er könne der App durch Schummeln ein Schnippchen schlagen, hat sich laut Kevin Seebacher getäuscht. Die App erkennt, ob Trainingseinheiten übersprungen werden und prüft und vergleicht Workouts von verschiedenen Tagen, aber auch mit Durchschnittswerten. Einheitliche Abweichungen fallen so nicht aus der Norm – große Auffälligkeiten in der Trainingsleistung bleiben aber nicht verborgen. Und wer schummelt, verliert den Einsatz.

Welche Zukunftspläne das Startup-Unternehmen hat? Kevin Seebacher denkt an die große Bandbreite, die im Fitnessmarkt möglich ist: „Wir starten jetzt mit Bodyweight, wollen aber langfristig sehr in die Breite mit dem Trainingsprogramm gehen. Von Tanzsport bis Yoga ist alles drin. Langfristig wollen wir das auch in der App so verwirklichen, dass man mehr Abwechslung hat und unterschiedliche Ziele verfolgen kann.“

Und hier gibt’s die Infos noch mal in Übersicht:

Trainingsprogramm: Bodyweight, d.h. Training nur mit dem eigenen Körpergewicht
Zielgruppe: Leute, die einen Anreiz brauchen, um am Ball zu bleiben. Gerne Fitnesseinsteiger.
Kosten: Wer durchzieht, bekommt die 30 Euro pro Challenge zurückerstattet und trainiert somit im Endeffekt kostenlos. Wer es nicht packt, hat 30 Euro investiert (= 1 Euro/Tag).
Verfügbar: Derzeit nur für Android, ab Sommer auch für iOS geplant
Weitere Infos: https://toplife.zone/

Was denkt ihr über die neue App? Wäre das Konzept etwas für euch? Schreibt mir eure Gedanken in die Kommentare.

Denise Bernard

 

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5 thoughts on “„Wetten, dass… ich das durchziehe?“ Wie eine Fitness-App Sportmuffel auf Trab bringen will

  • Die Idee dahinter finde ich mega spannend und herausfordernd. Das mit dem Wetteinsatz hat natürlich seinen Reiz, macht das ganze auch etwas verpflichtender. Muss ich direkt mal ausprobieren. Hast du oder jemand das schon probiert?

    • Nein, ich habe es noch nicht ausprobiert. Ich bin aber auch nicht der Typ, der gut nach vorgegebenen Plänen trainieren kann, ich hab dann doch spontan immer zu was anderem Lust als dem, was auf dem Programm steht 😉 Wer aber einen Anreiz, einen Motivator, einen festen Rhythmus braucht, für den klingt das ganze nach einer guten Idee. Erfahrungsberichte sind natürlich immer herzlich willkommen!

  • Klingt nach einer echt guten Idee! Da fallen mir auch auf Anhieb 2 – 3 Kollegen aus meinem Bekanntenkreis ein, denen ich die App mal empfehlen könnte! 😀

    • Oh ja, schick ihnen gerne mal den Link. Ich bin selbst sehr gespannt, wie die neue App ankommt und wie sie sich weiterhin entwickelt!

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